Der 25-Millionen-Euro-Hebel: Wie der Kreis Rendsburg-Eckernförde den Sanierungsstau im Sport auflöst
Wenn die Sporthalle zum Sanierungsfall wird
Es ist das Albtraumszenario jeder Kommunalverwaltung: Eine Einfeldsporthalle wie in Breiholz muss für über 1,2 Millionen Euro saniert werden, weil die Substanz nach Jahrzehnten der intensiven Nutzung am Ende ist. Wenn Hallenböden reißen, Flutlichtanlagen flackern oder Heizungen im Vereinsheim zur Kostenfalle werden, steht mehr als nur Beton auf dem Spiel – es geht um den sozialen Kitt unserer Gesellschaft. Der Kreis Rendsburg-Eckernförde hat auf diesen schleichenden Verfall nicht mit Achselzucken, sondern mit einer gezielten Förderstrategie reagiert. Was als Unterstützung für marode Sportstätten begann, hat eine ökonomische Eigendynamik entfaltet, die selbst erfahrene Finanzexperten aufhorchen lässt. Es ist die Geschichte einer massiven Hebelwirkung, bei der aus gezielten Kreiszuschüssen ein Investitionsprogramm von beeindruckender Tragweite entstanden ist.
Der 20-fache Hebel: Wie 950.000 Euro eine 18-Millionen-Lawine auslösten
Ein Blick in die Verwaltungsvorlage VO/2020/486 offenbart das ganze Ausmaß dieses Erfolgsmodells. Zwischen 2018 und 2020 band der Kreis ein Fördervolumen von 946.500 €. Doch diese Summe war lediglich der Zündfunke für einen gewaltigen ökonomischen Prozess. Tatsächlich löste dieser Betrag Gesamtinvestitionen in Höhe von 18.350.000 € aus.
Das Prinzip der Anschubfinanzierung wird hier fast schon zum physikalischen Gesetz: Jeder investierte Euro des Kreises mobilisierte fast das Zwanzigfache an lokalen Mitteln, Eigenleistungen und weiteren Fördergeldern. Es ist die Verlässlichkeit der kommunalen Zusage, die es Vereinen und Gemeinden überhaupt erst ermöglicht, Großprojekte wie die Hallensanierung in Rieseby (3,19 Mio. €) oder den Ersatzbau in Fleckeby (2,17 Mio. €) ins Rollen zu bringen. Christina Mönke fasste das Ergebnis in der Vorlage trocken, aber treffend zusammen:
„Das Ziel der Anschubfinanzierung für investive Maßnahmen zu Gunsten des Sports konnte demnach erreicht werden.“

Anpassung an die Teuerung: Warum die Anhebung auf 40 % überlebenswichtig war
In der kommunalen Sportförderung ist Stillstand gleichbedeutend mit Rückschritt. Deshalb hat der Kreis seine Richtlinien zwischen 2018 und 2025 strategisch geschärft. Startete man 2018 noch mit einem Fördersatz von 20 %, wurde dieser über 30 % (2021–2022) auf schließlich 40 % ab dem Jahr 2023 angehoben.
Diese Verdoppelung des Fördersatzes ist kein fiskalisches Geschenk, sondern die zwingende Antwort auf die Realität der Bauwirtschaft. Angesichts explodierender Baukosten und Materialknappheit wäre eine Sanierung für viele kleine Träger mit dem alten 20-Prozent-Satz schlicht nicht mehr finanzierbar gewesen. Um sicherzustellen, dass die Mittel auch dort ankommen, wo sie gebraucht werden, wurden zudem bereits 2020 die getrennten Fördertöpfe für Vereine und Kommunen zusammengeführt. Das Ergebnis: Eine vollständige Mittelbindung und maximale Flexibilität für den Breitensport.
Vom Eider-Yacht-Club bis zum Bouleplatz: Die Vielfalt jenseits des Fußballrasens
Wer glaubt, Sportförderung beschränke sich auf den klassischen Rasenplatz, irrt gewaltig. Die Projektlisten der letzten Jahre zeigen eine faszinierende Vielfalt, die den Charakter unserer Region widerspiegelt. Hier geht es nicht nur um Tore und Körbe, sondern um die gesamte Breite des Vereinslebens:
- Kampf gegen den Maulwurf: Die tierischen Tunnelgräber sind ein Dauerthema. Sowohl am Gymnasium Kronwerk in Rendsburg als auch am Sportplatz Galgenbergsweg in Nortorf (ca. 26.600 €) mussten kostspielige Maulwurfssperren verbaut werden, um die Spielflächen zu retten.
- Wassersport im Fokus: Im Kreis wird das Wasser sportlich gelebt. Während 2020 die Steganlage des Büdelsdorfer Yacht-Clubs für 132.700 € saniert wurde, folgte 2023 die Sanierung der Slipanlage für stolze 350.000 €. Auch der Bordesholmer Segelverein profitierte jüngst von der Erneuerung seiner Stege.
- Spezialdisziplinen: Ob die Kegelhalle des Rendsburger TSV, die Sanierung der Schießstände des Pistolensport-Clubs Rendsburg oder die neuen Bouleplätze in Dänischenhagen (13.300 €) – die Förderung erreicht jede Nische.
- Technik-Update: Die Umrüstung auf LED-Flutlicht zieht sich durch fast alle Gemeinden – von Sehestedt über Kosel bis hin nach Holtsee.
Gelebter Klimaschutz gegen die bürokratische Ignoranz: LED und Solar im Vormarsch
Es grenzt fast schon an ein Paradoxon: In den offiziellen Verwaltungsvorlagen wird die „Relevanz für den Klimaschutz“ regelmäßig mit „keine“ angegeben. Wer jedoch die Maßnahmenkataloge analysiert, erkennt eine völlig andere Realität. Die flächendeckende Umstellung auf LED-Flutlicht und die Modernisierung von Heizungsanlagen sind handfeste Beiträge zur CO2-Reduktion.
Besonders deutlich wird diese Diskrepanz am Beispiel des Freibads Jevenstedt. Hier wurden 112.500 € in die Erneuerung der Solarabsorberanlage zur Beckenwassererwärmung investiert, inklusive einer energetisch notwendigen Sanierung des Flachdaches. Dass solche Projekte in den Verwaltungsberichten als ökologisch „irrelevant“ gelabelt werden, wirkt fast systemblind. In der Praxis schaffen diese Sanierungen bereits nachhaltige Fakten, während die Bürokratie dem eigenen Fortschritt noch hinterherhinkt.
Fazit: Ein 25-Millionen-Impuls für die Zukunft unserer Region
Die Bilanz der Sportstättenförderung im Kreis Rendsburg-Eckernförde ist beeindruckend. Addiert man das initiale Maßnahmenvolumen von 18,35 Millionen Euro mit den aktuellsten Zahlen aus der Förderperiode 2023–2025, in der bereits wieder Projekte im Wert von 7,14 Millionen Euro angestoßen wurden, knackt der Kreis die 25-Millionen-Marke an ausgelösten Investitionen.
Mit einem gesicherten Budget von 1,5 Millionen Euro bis Ende 2025 bleibt das Programm der wichtigste Motor für die sportliche Infrastruktur. Diese Gelder sind weit mehr als reine Bauzuschüsse; sie sind eine Versicherung für die Zukunftsfähigkeit unserer Dörfer und Städte. Denn am Ende stellt sich eine zentrale Frage:
Wie viel ist uns die Infrastruktur unserer Gemeinschaft wert, wenn ein einziger Euro Förderung das Zwanzigfache an lokalem Wert schaffen kann?
Wir Sozialdemokraten im Kreis wollen dieses erfolgreiche Model gerne weiterführen.
